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Gemeinde Großkrotzenburg

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Henry Hirschmann, letzter Großkrotzenburger Zeitzeuge des Holocaust gestorben

 


Am Donnerstag letzter Woche (19.10.) ist Henry Hirschmann, der letzte Zeitzeuge aus den Gemeinden Großkrotzenburg und Großauheim in Charlotte, North Carolina, USA im Alter von 99 Jahren friedlich eingeschlafen.

Seit der Erneuerung der Großkrotzenburger Synagoge als Gedenk und Begegnungsstätte 1992 hatt er viele Male Großkrotzenburg besucht.

In der Synagoge, bei Gedenkveranstaltungen und vor allem in Schulen im Kreuzburg-Gymnasium als auch in Hanau war er bereit seine Lebensgeschichte zu erzählen. Durch seine offene Art, begleitet von dem Wunsch der Aussöhnung, wurde er zu einem wichtigen Zeitzeugen. Vor allem, vor Jugendlichen zu sprechen, war ihm ein wichtiges Anliegen.

Henry, damals noch Heinz genannt, wurde am 5. August 1920 in Großauheim geboren. Mit 13 Jahren feierte er in der Synagoge Großkrotzenburg seine Bar Mitzwa. Als Jugendlicher erlebte er wie „Juden“, die ja auch Deutsche waren, verboten wurde, im Schwimmbad am Main schwimmen zu gehen. So brachte er als Dokument für die Zeit davor seinen Freischwimmer-Ausweis mit.

Weil er kein Gymnasium mehr besuchen konnte, machte er eine Ausbildung in einer Lederfabrik in Offenbach. Am 10. November 1938, er war gerade 18 Jahre alt, rief seine Mutter ihn am Telefon in Offenbach an und bat ihn, nicht nach Hause zu kommen, sondern nach Holland zu reisen. Aber da er keine wirkliche Ahnung hatte, wie er das völlig ohne Geld und Kleider tun konnte, kam er nach Großauheim, wurde dort inhaftiert und mit anderen aus Großauheim und Großkrotzenburg am nächsten Tag unter Schlägen in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Nach mehreren Monaten wurde er dort entlassen, denn seine Eltern hatten ihm ein Visum für Amerika besorgt. Anfang Mai zog er nach New York. Seine Eltern und seine beiden Brüder musste er zurücklassen. Seine Versuche, sie nach Amerika zu bringen, schlugen fehl. Sein Leben lang litt er darunter, dass seine Familie in  Minsk ermordet wurde und er das nicht verhindern konnte.

Dennoch leistete er danach als Soldat einen großen Beitrag. Er bewarb sich bei der US Army und wurde trotz Vorbehalten, da er ja Deutscher war, in den Dienst aufgenommen. Er gehörte zu den Truppen, die im Juni 1944 in der Normandie landeten und von dort den Kampf gegen Nazi-Deutschland aufnahmen. Auf seinem Weg kam er bis Ende des Krieges mit seiner Truppe bis nach Salzburg. Auch nach dem Krieg blieb er noch im Dienst der US Army in Deutschland. Er wollte in der Nähe von Großauheim sein und wählte Wiesbaden als seinen Standort. Trotz des Leids durch die Ermordung seiner Eltern durch die Nazis gibt es Geschichten, wie er Menschen aus Großauheim bei Nöten der Nachkriegszeit half.

Zurück in den USA wohnte er zunächst in New York, heiratete eine polnische Jüdin. Gemeinsam hatten sie zwei Kinder. Später zog er nach Charlotte in North Carolina. Er hatte einen kleinen Vertrieb von Geschenkartikeln. In seinem langen Ruhstande wurde er aber als Holocaust-Überlebender und zugleich Soldat im Zweiten Weltkrieg, der den ganzen amerikanischen Feldzug mitgemacht und mehrere Auszeichnungen dafür bekommen hatte, ein wichtiger Zeitzeuge, der vor vielen Schulen und vor großen Versammlungen über seine Erlebnisse sprach.

Er hat große Anteile am Verständigungs- und Versöhnungsprozess sowohl in den USA als auch in der Region Hanau. Dafür gebührt ihm großer Anerkennung und Dank.

Für alle, die ihm nahestanden, sprechen Bürgermeister Bauroth und Pfarrer Heinz Daume, der frühere Ortspfarrer von Großkrotzenburg, den beiden Kindern Paul und Adina, sowie den Enkeln den Urenkeln ihr Beileid aus.

Die Gemeinde Großkrotzenburg wird ihn in Erinnerung behalten. Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens.

Bürgermeister Thorsten Bauroth
Heinz Daume, Pfr. i.R. 



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