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Gemeinde Großkrotzenburg

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40 Jahre Jugendzentrum Großkrotzenburg

Das Jugendzentrum der Gemeinde Großkrotzenburg blickt in diesen Tagen auf 40 Jahre zurück, die das Aufwachsen von mehreren Generationen junger Menschen in der Gemeinde prägten.

Das Ereignis, das vor 40 Jahren eher beiläufig in offiziellen Vermerken auftaucht, gewinnt seine Bedeutung auch dadurch, dass es trotz vielfältiger Schwierigkeiten und Rückschlägen  zum Aufbau einer funktionierenden und akzeptierten Form der „offenen Jugendarbeit“ in Großkrotzenburg geführt hat.

Mit der Eröffnung des Jugendzentrums der Gemeinde Großkrotzenburg am 15.08.1975 beginnt eine Geschichte, die auch als Geschichte des Umgangs von Erwachsenen, insbesondere auch der politisch Verantwortlichen, mit jungen Menschen gesehen werden kann.

Begonnen hat das Projekt „Jugendzentrum“ eigentlich schon im November des Jahres 1973, als engagierte Mitglieder der JUSO AG Großkrotzenburg eine Fragebogenaktion  zur Freizeitsituation ihrer Altersgenossen starteten. Als Resultat der Auswertung ist schließlich ein Jahr später, am 03.12.1974, die Gründung der Jugendinitiative Großkrotzenburg (JIG) zu sehen.

Zu den ersten Vorstandsmitgliedern gehörten Helmut Kochhafen, Michael Hagedorn, Marion Schöppner, Gerd Riedel, Günter Bergmann, Lothar Bergmann und Michael Amberg.

Formuliert wurde neben der pädagogischen Zielsetzung, emanzipatorische Jugendarbeit zu verwirklichen, vor allem die Forderung nach einem selbstverwalteten Jugendzentrum im gerade entstehenden neuen Bürgerhaus der Gemeinde. Dies realisierte sich dann im August 1975 als mit der Fertigstellung des Bürgerhauses die Räume im Keller der Jugendinitiative zur Nutzung übergeben wurden.

Die Phase der mit großer Euphorie begonnen Selbstverwaltung endete allerdings abrupt nach nur drei Monaten bereits im Dezember 1975. Durch Beschluss des Gemeindevorstandes, der zu der Auffassung gekommen war, dass die Benutzung der Jugendräume im Bürgerhaus auf eine andere Basis gestellt werden müsse, nachdem der Versuch mit der Selbstverwaltung durch die JIG offenbar gescheitert sei, wurde das Jugendzentrum vorerst wieder geschlossen.

Erbittert und enttäuscht über diese Entscheidung der Gemeindeväter kam es am 13.12.1975 zu einem denkwürdigen Demonstrationszug der JIG durch Großkrotzenburg, bei dem die Jugendlichen vor allem auf die Selbstverwaltung des Jugendzentrums pochten.

Trotz einer Verhärtung der „Fronten“ zwischen JIG einerseits und Gemeindevorstand und Gemeindepolitikern andererseits wurde das Jugendzentrum im Frühjahr 1976 unter zeitweiser Betreuung durch Angestellte der Gemeinde wieder geöffnet.

Die bis 1977 nebenamtlich tätigen Betreuer, Dietmar Weih, Günter Bergmann und Peter Kress, konnten über attraktive Programmangebote einiges an Vertrauens- und Überzeugungsarbeit leisten, um einen Teil der aufgerissenen Gräben wieder zu füllen.

Für den Zeitraum eines Jahres, von 1977 bis 1978, gelang es dann über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eine hauptamtliche Betreuung des Jugendzentrums einzurichten. Der Versuch, in dieser Zeit eine gruppenorientierte Jugendarbeit unter Einschränkung der offenen Jugendarbeit zu etablieren, schlug allerdings, nicht zuletzt auch aufgrund des Widerstandes von Jugendlichen, fehl. Die Konsequenz war die gänzliche Einstellung der offenen, nicht vereinsgebundenen Jugendarbeit für einen Zeitraum von letztlich neun Jahren. In dieser „Eiszeit“ des Jugendzentrums wurden die Jugendräume nur noch an organisierte Gruppierungen von Vereinen und Parteien vermietet.

Erste Wärmestrahlen trafen auf das Jugendzentrum im Dezember 1985, als über einen Antrag der neu gegründeten Partei „Die Grünen“ die Wiederaufnahme von „offener Jugendarbeit“ unter hauptamtlicher Betreuung gefordert wurde. Das war auch nicht unbedingt verwunderlich, trafen sich doch in dieser neuen Partei einige ehemaligen „Aktiven“ der JIG auf der politischen Bühne der Gemeinde wieder.

Es sollte allerdings noch bis Mitte 1988 dauern, bis mit Ullrich Gremm der erste fest angestellte Sozialarbeiter der Gemeinde die kommunale Jugendarbeit aufbauen konnte.

In der Folgezeit erfuhr die gemeindliche Jugendarbeit eine starke sozialarbeiterische Akzentuierung, in deren Mittelpunkt vor allem die Beschäftigung mit der Drogenproblematik von jungen Menschen stand.

Mit der Weiterführung der Stelle durch den Dipl. Pädagogen Reiner Uftring im Oktober 1990 profilierte sich die Jugendarbeit im Jugendzentrum wieder verstärkt als „offene Jugendarbeit“ im Bereich des Arbeitsgebietes der kommunalen Kinder- und Jugendförderung.

Das Jugendzentrum, einst „Stiefkind“ unter den gemeindlichen Einrichtungen, entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren zu einem wichtigen Bestandteil der sozialen Infrastruktur der Gemeinde Großkrotzenburg.

Mittlerweile ist das Jugendzentrum der Gemeinde bereits für mehrere Jugendgenerationen zu einem wichtigen Sozialisationsort auf ihrem Weg in das Erwachsenenleben geworden und für viele Kinder und Jugendlichen der Gemeinde ist es auch heute  ein integrales Element  ihrer Alltagsgestaltung in Ergänzung zu Familie, Schule und Verein.

Neben einem offenen Spiel- und Freizeitangebot, verlässlichen Öffnungszeiten, der Durchführung von Ausflügen und  sportlichen und kulturellen Programmangeboten, hat sich das Großkrotzenburger Jugendzentrum in den letzten Jahren auch vermehrt als Anlaufstelle bei jugendspezifischen Fragen und Problemen etabliert – Hilfen zur Bewältigung des Lebensalltages von jungen Menschen in den Bereichen Schule, Familie, Ausbildungsplatzsuche, Bewerbungen, u.a. mehr bestimmen in nicht unerheblichem Umfang die Arbeit des Jugendpflegers im Jugendzentrum.

Mit der Schaffung einer zweiten hauptamtlichen Stelle im Oktober 1993, die bis August 2013 von der Erzieherin Frau Elisabeth Kauer in Teilzeit wahrgenommen wurde, hatten zeitweise auch die Mädchen eine Ansprechpartnerin in der Jugendeinrichtung.

Durch die Einrichtung einer Zivildienststelle im Jahre 1994 wurde das Mitarbeiterteam des Jugendzentrums zunächst ausgebaut. Bis 2011 haben insgesamt sechszehn zivildienstpflichtige junge Männer hier ihren sozialen Dienst geleistet und tatkräftig dafür gesorgt, dass die in einer Jugendeinrichtung oft unterschätzten Hausmeistertätigkeiten wahrgenommen wurden. Fortgeführt wurden diese Aufgaben bis 2013 durch insgesamt zwei Bundesfreiwilligendienstleistende.

Die finanziellen Rahmenbedingungen der Gemeinde führten seit dem Jahr 2000 kontinuierlich dazu, dass die personelle und materielle Ausstattung der Jugendeinrichtung den Bedingungen der defizitären Haushaltslage angepasst werden mussten.

Zur Zeit sind neben dem hauptamtlichen Jugendpfleger mit Lisa Hagedorn, Caroline Podstawa, Ronja Bauer und Manuel Dölek noch 4 geringfügig beschäftigte Aushilfskräfte für die Betreuung der Kinder und Jugendlichen im Jugendzentrum tätig.

Die zum Teil deutlichen Einschränkungen im Jugendfreizeitbereich und die Diskussionen um die Zukunft der Jugendeinrichtung führten schließlich 2014 zur Gründung der Fördervereins Kinder- und Jugendzentrum Großkrotzenburg e.V.. Der mittlerweile rund 60 Mitglieder zählende Förderverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die offene Kinder- und Jugendarbeit in ideeler und materieller Weise zu unterstützen, insbesondere durch Förderung von Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche, jugendkulturellen Veranstaltungen, außerschulischen Bildungsaktivitäten und durch Lobbyarbeit im öffentlichen Bereich. Viele der Vereinsaktiven nutzten in Ihrer Jugendzeit das Jugendzentrum selbst als Treffpunkt, und wollen mit Ihrem Engagement dafür sorgen, dass „unserem Nachwuchs die Möglichkeit gegeben ist, selbst das erleben zu können, was viele von uns als junge Menschen im Jugendzentrum positiv erfahren und mitgenommen haben“.

Die jugendpflegerische Arbeit im Jugendzentrum selbst ist seit Ende der neunziger Jahre gekennzeichnet von einer stärkeren Orientierung auf das Gemeinwesen hin.

Standen am Anfang des Jugendzentrums die Forderungen nach Selbstverwaltung, Eigenständigkeit und selbstbestimmtem Freiraum im Vordergrund, so ist nach 40 Jahren erkennbar, dass das Jugendzentrum  eine stärkere Koordinations- und Kontaktfunktion zwischen Gemeinde und junger Generation, zwischen Vereinen und offenen Formen der Jugendarbeit  und zwischen Eltern, Schule, Ausbildungsbetrieben und Jugendlichen wahrnimmt. Ebenso profiliert sich die Einrichtung vermehrt als Mehrgenerationen-Treffpunkt, den Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Eltern kommunikativ nutzen, um voneinander zu lernen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln. Zunehmend entdecken auch die Flüchtlinge, die in unserer Gemeinde untergebracht sind, das Jugendzentrum als Anlaufpunkt, wo sie Kontakte mit gleichaltrigen jungen Erwachsenen knüpfen können und die ein oder andere unbürokratische Hilfestellung erhalten.

Elemente der Selbstverwaltung und Selbstbestimmung, die den Beginn der Jugendarbeit im Jugendzentrum dominierten und welche die wechselvolle Geschichte der Einrichtung beeinflussten, sind auch heute fester Bestandteil der jugendpflegerischen Arbeit und spiegeln sich in der Möglichkeit für die jungen Menschen wieder, das Geschehen in „ihrem“ JUZ zu planen und mitzugestalten.

Die Diskussion um Partizipation, Mitbeteiligung und Mitgestaltung von Kindern und Jugendlichen in Vereinen, Gemeinde und Gesellschaft hat hier ihre ersten Anregungen gefunden. Das, was vor 40 Jahren seinen Anfang nahm und im Alltag des Jugendzentrums sich über Jahre hinweg entwickelte, zeigt sich heute in vielfältiger Weise: wenn junge Menschen ihre Interessen gegenüber der Politik artikulieren und vertreten, wenn sie sich für Ihr Jugendzentrum einsetzten, wenn Erwachsene die Arbeit in der Jugendeinrichtung auf freiwilliger Basis unterstützen, und wenn ein solidarischer Zusammenhalt auch mit den Schwächeren in der Kommune wächst.

Nach 40 Jahren wird damit auch deutlich, welche positiven Auswirkungen das jahrelange Ringen von jungen Menschen um einen Ort der Eigenständigkeit, das Reiben an der verfassten Welt der Erwachsenen, und das Artikulieren von eigenen Vorstellungen und Meinungen hat: sie sind ein lebendiges Zeugnis unserer demokratischen Kultur, die immer wieder neu angeeignet und gelernt werden muss.

Der 40. Geburtstag des Großkrotzenburger Jugendzentrums wird am ersten Oktoberwochenende, von Donnerstag, 01.10. bis Samstag, 03.10.2015, gefeiert, und Groß und Klein, Alt und Jung, Alteingesessene und Neubürger, JUZ Urgesteine und Neugierige sind herzlich zu den Veranstaltungen im Jugendzentrum/Bürgerhaus, Schulstr. 7 eingeladen

 

Am Donnerstag, 01.10.2015, gibt es ab 19.30 Uhr  einen bildlichen Streifzug durch die Geschichte der ‚JUZ Family‘. Bei Getränken und Gegrilltem wird es sicherlich genügend Anregungen für Geschichte und Geschichtchen rund um das eigene Aufwachsen an eben diesem Ort geben.

Am Freitag, 02.10.2015, sorgen ab 19.00 Uhr die Akteure von „Toasted“, „One Voice, six Stripes“ und einige Überraschungsgäste für das passende Konzert zum JUZ Geburtstag

Am Samstag, den 03.10.2015 (Feiertag), schließlich ist ab 14.00 Uhr ‚Tag der offenen Tür’ mit Lebendtischkicker, Kletteraktionen und traditionell Kaffee und Kuchen.


Die Demo im Jahre 1975


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